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Anlässlich des Themenschwerpunkts „Cloud-Strategien“, des Quality Leaderships Circle im Februar, haben wir österreichische Unternehmen befragt, auf welches Betriebsmodell sie aktuell in den häufigsten Servicebereichen setzen und wo sie sich in fünf Jahren sehen: On Premise, Hybrid oder Full Cloud? Unter die Lupe nahmen wir Lösungen von Business Applikationen, Infrastruktur sowie im Software Development & DevOps Umfeld. Außerdem fragten wir nach den größten Herausforderungen am Weg in die Cloud und wie sehr sie den Einfluss von Millennials auf IT-Lösungsstrategien in Ihrem Unternehmen spüren. Die Ergebnisse waren teils vorhersehbar, teils doch überraschend!

 


Einfluss von Millennials auf IT-Lösungsstrategien deutlich spürbar

Bis 2025 werden Millennials drei Viertel der globalen Arbeitskraft ausmachen und zunehmend die Rolle eines IT-Entscheidungsträgers in Unternehmen einnehmen. Sie sind in einer digital geprägten Realität aufgewachsen, mit einer On-Demand Erwartungshaltung und werden die Nutzung von Cloud Services am Arbeitsplatz als Standard etablieren, ohne Ausnahme.

Das Ergebnis der Umfrage bestätigt dies: In nahezu allen Unternehmen ist ein Einfluss von Millennials erkennbar, wenn es um den Entwurf von IT-Lösungsstrategien geht. Aufgewachsen mit Abonnements für nahezu alles, Bestellungen auf Knopfdruck und eine hochgradig automatisierte, digitale Welt, versuchen junge IT-Entscheidungsträger ihren Mitarbeitern ebendieses Umfeld im beruflichen Kontext zu ermöglichen. Statt auf monolithisch aufgebaute, leistungsintensive Applikationen im eigenen Haus, wird auf fertige Cloud-Lösungen gesetzt. An Stelle von langfristigen Verträgen und hohen Vorab-Investments treten monatlich kündbare Verträge und dadurch Flexibilität, transparente Kostenstrukturen sowie die Möglichkeit, kurzzeitige Lastspitzen ungebunden auszugleichen. Lange und komplexe Bereitstellungsprozesse werden standardisiert und automatisiert, sodass nur in Ausnahmefällen manuell eingegriffen werden muss.

All das sind Eigenschaften, welche Mitarbeiter aus dem privaten Umfeld bereits gewohnt sind. Und davon gibt es noch einen weiteren Aspekt, welcher jungen IT-Entscheidungsträgern in die Karten spielt: der oft aufwändige Prozess der Mitarbeiterschulung gestaltet sich sehr einfach, wenn die Leute eine neue Lösung bereits aus dem privaten Umfeld kennen. Hersteller wie Microsoft und Google setzen vermehrt darauf Unterschiede zwischen Business- und Consumer-Services zu entfernen. Das Resultat ist eine für den Mitarbeiter homogene, intuitiv bedienbare Arbeitsumgebung, welche zu erhöhter Produktivität beiträgt – am Arbeitsplatz sowie zu Hause.

 

Nutzung von Cloud Service – heute und morgen: Ein Situationsbild

 

  1. Business Applikationen setzen Trend fort

    Im Bereich der Business Applikationen, dazu zählen wir CRM, ERP, CMS und BI/Analytics Dienste, sehen wir anhand unserer Kundenprojekte heute einen Trend in Richtung Cloud. Das Ergebnis der Umfrage bestätigt diese Einschätzung: Während die Mehrheit der Unternehmen heute noch auf ein lokales oder höchstens hybrides Betriebsmodell für Business Applikationen setzt, sieht die Prognose für die kommenden fünf Jahre deutlich anders aus. Lösungen aus den Bereichen CRM, CMS und BI/Analytics werden überwiegend direkt aus der Cloud bezogen, oder zumindest hybrid betrieben. Einzig der Sektor der ERP Lösungen weicht davon ab. Diese werden heute mit einer deutlichen Mehrheit lokal betrieben, und nur etwa die Hälfte der Befragten schätzt den Umstieg auf ein hybrides oder ein reines Cloud-Betriebsmodell in den kommenden fünf Jahren als realistisch ein.


    Survey Cloud Services_Business Applications

    Diese verhaltene Entwicklung bei ERP-Anwendungen ist teilweise nachvollziehbar: Änderungen betreffen meist das gesamte Unternehmen, wodurch ein hoher Bedarf an Prozessanpassung, Mitarbeiterschulung und Individualisierung entstehen kann. Auch sind derartige Umstellungsprojekte in der Regel betreuungs- und aufwandsintensiv, weshalb sich für Unternehmen der Mehrwert nicht unmittelbar offenbart. Allerdings bieten alle namhaften Hersteller bereits Cloud-Varianten ihrer Software an, und die Vergangenheit zeigt, dass das bereits ein erster Schritt zum Auflassen lokaler Software sein kann.

    In den Bereichen CRM und CMS kann der Umstieg dabei wesentlich transparenter erfolgen: Abhängig von der gewählten Lösung, ergeben sich für Mitarbeiter nur minimale Änderungen im Arbeitsalltag, während das Unternehmen von den wegfallenden Infrastrukturkomponenten und dem damit verbundenen Wartungsaufwand profitiert.
    Keine Applikationskategorie drängt sich so stark für einen Betrieb in der Cloud auf, wie BI/Analytics. Speziell im Bereich der Advanced Analytics Services bieten Cloud-Provider Lösungen an, welche mit Hilfe von Machine-Learning Algorithmen massive Datenmengen in kürzester Zeit verarbeiten können. Datenmengen, welche in lokalen Storage-Systemen kaum sinnvoll zu finanzieren sind, so der Speicherplatz überhaupt dafür ausreicht. Auch die notwendige Rechenleistung zum Verarbeiten der Daten nimmt Kapazitäten in Anspruch, die andernorts dringender benötigt werden. Der Einsatz von Cloud Lösungen scheint nur allzu logisch, um einerseits neue Dimensionen in der Datenanalyse zu erreichen, und andererseits die lokale Infrastruktur zu entlasten. Apropos Infrastruktur.

  2. Basis Infrastruktur bleibt hybrid

    Der Ursprung aller Cloud Plattformen, das Bereitstellen von verwalteter Infrastruktur, bewegt sich schon seit mehreren Jahren in Richtung Cloud. Auch diese Entwicklung findet sich in den Ergebnissen deutlich wieder und zeigt, dass mit der gebotenen Servicequalität auch die Adoption steigt. 
    Mehr als zwei Drittel der Befragten gibt an, bereits heute entweder hybride oder reine Cloud Server zu betreiben. Sei es, um die begrenzten Kapazitäten des eigenen Serverraums zu erweitern, als isolierte Entwicklungsumgebung oder um den IT-Betrieb im Falle einer Naturkatastrophe, eines Brandes oder Diebstahls fortzuführen. Die fünf-Jahres-Prognose stärkt sowohl den hybriden-, als auch den reinen Cloud Betrieb. Rein lokale Infrastrukturen werden voraussichtlich die absolute Ausnahme darstellen.

    Survey Cloud Services_Infrastructure
     
    Auch das steigende Angebot im Bereich Telefonie und Kollaboration schlägt sich auf die IT-Lösungslandschaft von Unternehmen nieder. Etwa zwei Drittel der Befragten Unternehmen setzen in diesem Bereich schon heute auf hybride- oder Cloud-Lösungen, und das noch vor dem aktuellen Ausbruch des Coronavirus und dem damit oft erzwungenen Umstieg auf ebendiese. In fünf Jahren sieht kaum ein Unternehmen diesen Bereich noch rein lokal, eine deutliche Mehrheit geht davon aus, auch hier ein hybrides Modell zu betreiben.
    Wenig Veränderung sehen die Befragten in der Geräteverwaltung, sowie im Identity- und Access Management. Beide Bereiche werden bereits heute vorwiegend hybrid betrieben, wobei die cloudbasierte Geräteverwaltung, gegenüber lokaler Lösungen leicht im Vorteil ist, ganz im Gegensatz zu jenen im Identity & Access Management (IAM) Umfeld. Dieser Zustand wird sich, wenn man die Ergebnisse heranzieht, nur geringfügig zu Gunsten der Cloud verändern. Eine überwiegende Mehrheit sieht weiterhin vor, ihren hybriden Ansatz beizubehalten.

    Diese Entwicklung deckt sich sehr stark mit unserer Erfahrung im Infrastruktur-Umfeld. Der hybride Betrieb erweist sich oft als die sinnvollste Variante für den ersten Schritt, da sowohl die Wirtschaftlichkeit als auch eine konsequente Absicherung der Infrastruktur ermöglicht wird. Darüber hinaus kann, wenn dieses hybride Setup erstmal besteht, Schritt für Schritt und ohne Risiko evaluiert werden, ob sich weitere Dienste für einen Cloud-Betrieb eignen.

  3. Software Development / DevOps mit größten Veränderungen

    Der größte Wandel zeichnet sich in der Software Entwicklung und damit auch im Bereich DevOps ab. Konkret ging es bei der Umfrage um die Themen Application Lifecycle Management (ALM), Source Code Management, Dev/Test Umgebungen sowie Continuous Integration bzw. Continuous Delivery (CI/CD).
    In den befragten Unternehmen werden diese Lösungsbereiche derzeit entweder durch rein lokale, oder hybride Lösungen unterstützt. Nur in Ausnahmefällen setzen Unternehmen auf reine Cloud-Lösungen.

    Survey Cloud Services_Software Development & DevOpss
     
    Das Bild in fünf Jahren dreht sich radikal. Nur noch vereinzelte Unternehmen gehen davon aus, ihren Betrieb durch rein lokale Lösungen zu unterstützen. Der Einsatz hybrider und cloudbasierter Lösungen teilt sich gleichmäßig auf. Vor allem die Nachfrage nach digitalen Testinfrastrukturen, welche sämtliche Gerätetypen simulieren können, steigt stark. Bemerkenswert: Der Bereich CI/CD scheint der erste zu sein, dessen rein lokaler Betrieb verschwinden wird. Zwei Drittel der Befragten planen einen hybriden, ein weiteres Drittel geht von einem rein cloudbasierten Betrieb aus. Woran liegt das?

    Der Technologiesektor hat sich in den vergangenen Jahren stark bewegt. Microsoft übernimmt mit GitHub die führende Entwicklungsplattform, veröffentlicht mit Azure DevOps das „Schweizer Taschenmesser“ für Entwicklerteams und integriert es nahtlos in seine Cloud-Lösungen. Das unterstützt sowohl Entwicklerteams als auch jene Administratoren, welche die Produkte in weiterer Folge sicher verwalten, warten und betreiben müssen. Ein im ersten Schritt kostenloser Allrounder, sozusagen. Die scheinbar hohe Komplexität, die dem riesigen Leistungsumfang geschuldet ist, stellt dabei einen Wermutstropfen dar.

Technologischer Wandel voll in Fahrt – nächster Halt: Optimierung

Diese Entwicklungen nehmen nicht nur Hersteller wie Microsoft, AWS oder Google mit großer Freude wahr. Auch die Entwickler von Schadsoftware und potenzielle Angreifer im Allgemeinen sehen darin eine Chance, cloudbasierte Infrastruktur, welche aufgrund mangelnder Kenntnisse nicht ausreichend abgesichert ist, anzugreifen.

Ein Blindflug in neue Technologiebereiche birgt weitere Risiken: Es werden Dienste nach Gefühl im Testflug gestartet und etwaige Kosten dabei nicht berücksichtigt. Die Architektur von Diensten wird konzipiert, als würde sie lokal betrieben werden. Dabei verlässt man sich oft auf versprochene Service Level Agreements, ohne sich mit deren Details auseinanderzusetzen. Das führt unweigerlich zu einem wenig kosteneffizienten, unzuverlässigen Betrieb dieser Dienste. 

Wir haben dieses Verbesserungspotenzial bereits frühzeitig erkannt und widmen, zusätzlich zur Cloud Migration, dem Thema Cloud Optimierung einen weiteren Schwerpunkt in unserem Portfolio. Durch eine eingehende Analyse verschaffen wir uns einen Überblick über Dienste, welche unsere Kunden in der Cloud betreiben. Basierend auf unseren Erfahrungen aus über hundert Cloud-Projekten weltweit, sprechen wir Empfehlungen zur Verbesserung der Sicherheit, Reduktion der Kosten sowie zur Erhöhung der Service-Verfügbarkeit aus, und unterstützen tatkräftig bei der Umsetzung dieser.

Haben Sie Interesse an einem Austausch? Kontaktieren Sie mich gerne: daniel.brezina@nagarro.com