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business-transformationMan denkt so wie man spricht, heißt es. In meiner langjährigen Arbeit als IT-Berater habe ich immer die Intension verfolgt, die Aufgabe meiner Kunden zu verstehen und zu erfassen, mich also in die Sprache und Denkweise des Kunden einzuarbeiten. Seit neuestem aber „kalibriere“ ich auffällig oft neumodische Kunstbegriffe. Schlagworte wie IoT, Analytics, Big Data wachsen in hochkomplexen Buzzword-Bingos zu überwältigenden Gesprächsblasen heran, die den Raum ausfüllen. Wie kommt es, dass die IT sich dieser Tage dermaßen versteckt hinter diesen Schlagworten, aber letztlich doch so schwer vorankommt?

Die meisten IT Trendbegriffe sind rund um das Thema Innovation angesiedelt – Business Transformation, Automation, Industrie 4.0 wären hier u.a. zu nennen. Schon beim Begriff Innovation scheiden sich die Geister. Die einen denken dabei an Neuerfindungen (was dem lateinischen Wortstamm entspricht), andere meinen die Weiterentwicklung von Bestehendem, in der IT ein gewaltiger Unterschied.

Am häufigsten aber wird Innovation als Füllwort für all jene Fragezeichen eingesetzt, auf die das Unternehmen noch keine klare Antwort hat. Vor dem Hintergrund der propagierten Neuerfindung der (wirtschaftlichen) Gesellschaftsordnung ist Innovation auch keine Angelegenheit für den motivierten Erfindergeist mehr, nein, wir reden von einem Damoklesschwert, das sich über uns senkt wie das Raumschiff bei Independence Day.

Glücklicherweise kommen der IT hier die Marketing-Abteilungen der internationalen Giganten zur Hilfe. Vor allem US-Konzerne beschenken uns mit einem Geflecht an Buzzwords, die sich wie bestellt in die Story einfügen. Mit dem beigestellten Vokabular lassen sich technologische Begriffe wie IaaS, SaaS, AI und API herrlich mit großen Schlagworten wie Business Disruption, Digitalisierung oder IoT verquicken. Als Zuckerguss kommt die Innovation drüber und fertig ist, ... ja, was ist damit eigentlich fertig?

Die Konsequenz aus dem Buzzword Bingo ist im Endeffekt nicht der Fortschritt, sondern eher Blockaden, Missverständnisse und sehr viele offene Fragen. So kommt es, dass IT Teams sich in vermeintlich verstandenen Aufträgen völlig verlaufen bis sich herausstellt, dass der Aufgabenkatalog unklar war oder für die IT im Alleingang gar nicht umsetzbar ist. Andere Projekte werden zur 5-Jahresaufgabe, weil es nicht gelingt, Klarheit in den Ausschreibungskatalog zu bekommen.

Dabei sind zwei Dinge Fakt: Kryptische Fachausdrücke schrecken Unternehmen eher ab, in neue Technologien zu investieren. Und zweitens ergibt ein Buzzword noch keine Lösung, auch wenn manchmal so getan wird als könne man mit einem Produkt den Themenkomplex bearbeiten.

Man denkt so wie man spricht. Deshalb bin ich der festen Überzeugung, dass wir mit der Wortwahl und Gesprächsführung den ersten Schritt für Lösungen setzen. Fragen, zuhören und Klartext kommen nie aus der Mode in der Beratung. Lassen wir den Marketing-Rockstars ihre Bühne und konzentrieren wir uns auf Erneuerungsthemen, die greifbar und realisierbar sind.

Mit dem Tun, mit Prototypen, aber auch mit dem Mut, Ideen zu verwerfen finden wir jene Inspiration, die wir für gelebten Fortschritt brauchen. Klingt pathetisch? Meinen nächsten Blog werde ich möglichen Lösungsansätzen widmen – stay tuned..