Brief an mein jüngeres Salesforce Admin-Ich: Was ich heute anders machen würde

 

 

An mein „Ich“ aus dem ersten Admin-Jahr,

ich schreibe dir aus der Zukunft – immer noch im Salesforce-Universum, nur inzwischen auf der Beratungsseite in einer Salesforce-Consulting-Bude. Du sitzt gerade im Home-Office, hast 27 Tabs offen, ein halbfertiges Datenmodell im Kopf und das Gefühl, dass alle „nur mal schnell“ noch ein Feld brauchen.

Erstmal: Du machst das gut. Und einiges davon würde ich genau wieder so machen.


Mirror Image 2
Was ich genauso wieder machen würde:

Deine Neugier. Dass du nicht nur klickst, bis es irgendwie geht, sondern verstehen willst, warum es so funktioniert. Behalte das bei. Auch, dass du früh mit den Fachbereichen sprichst, statt „im stillen Kämmerlein“ zu basteln. Deine besten Admin-Momente werden die sein, in denen du Prozesse entwirrst, bevor du überhaupt einen Flow anfasst. Und: Dokumentation, auch wenn sie nie perfekt ist – diese kleinen Notizen, die du in Confluence oder im Ticket hinterlässt, werden dir später den Rücken freihalten.

Jetzt zu dem, was ich anders machen würde – nicht weil du es falsch machst, sondern weil du dir damit viel Stress sparst:

Weniger „Schnellschüsse“, mehr Governance light

Du musst nicht gleich ein ITIL-Monster aufbauen, aber etabliere früh einfache Spielregeln: Namenskonventionen, ein kleines Data Dictionary, ein Change-Prozess über Tickets, und vor allem: eine klare Unterscheidung zwischen „nice to have“ und „geschäftskritisch“. Im Mittelstand ist Geschwindigkeit wichtig – aber Chaos kostet später doppelt.


Daten sind kein Nebenprojekt

Du wirst zu spät merken, dass „wir importieren das mal eben“ selten gut endet. Kümmere dich früher um Dublettenstrategie, Pflichtfelder mit Sinn, Ownership, und ein sauberes Berechtigungskonzept. Datenqualität ist kein Feature, sie ist Fundament.


Automatisierung mit Maß und Plan

Du wirst Workflows, Process Builder und Flows bauen (ja, die Plattform entwickelt sich). Was ich dir wünsche: Den Mut, auch mal „Nein“ zu sagen, wenn etwas technisch geht, aber fachlich nicht klar ist. Und baue Automatisierungen so, dass jemand anderes sie versteht: sprechende Namen, Kommentare, saubere Fehlerbehandlung, Testszenarien.

Und dann ist da noch das große Thema, das du so nicht kommen siehst: AI

Sie wird schnell überall sein – in Salesforce selbst und in deinem Alltag. Mein Rat: Hab keine Angst, aber hab Respekt. Nutze AI als „Co-Admin“: für erste Entwürfe von Validierungsregeln, Flow-Logik als Pseudocode, Formulierungen für Nutzerkommunikation, Doku-Zusammenfassungen, sogar zum Debugging von Fehlermeldungen. Aber: Vertraue ihr nicht blind. Du bleibst verantwortlich für Datenschutz, Compliance, und dafür, dass ein Prozess wirklich zur Firma passt. Gerade in Deutschland wird das wichtig bleiben.


celebration small

Wenn ich dir noch eine Sache ins Aufgabenheft kleben dürfte, dann diese: Werde früh gut im Übersetzen.

Zwischen Vertrieb und IT, zwischen „Ich will einen Button“ und „Wir brauchen einen sauberen Prozess“. Das ist deine Superpower – und die macht dich später zum guten Consultant.

Ach, und noch was: Mach dir nicht so viele Sorgen, wenn du etwas zweimal bauen musst. Das ist kein Scheitern, das ist Lernen.

Du wirst deinen Weg machen. Ich bin stolz auf dich!

 

Green Scribble_large res